Salamander
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Thema: Nürnberger Kultur

Körperwelten - eine Herzenssache

Gestern waren Schatz und ich in der Ausstellung >Körperwelten - Eine Herzenssache<. Ich bin froh, dass die Ausstellung einmal in Nürnberg ist, und mir war klar, dass ich hingehen möchte. Über das Für und Wider möchte ich hier gar nicht groß diskutieren, das würde länger dauern. Ich jedenfalls finde es okay. Oder, besser gesagt, nicht nur okay, sondern eine tolle Sache und überaus interessant. 
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Salamander 09.01.2015, 12.15 | (1/1) Kommentare (RSS) | PL

Ausstellung Tutanchamun

Viel schreiben wie sonst üblich kann ich im Moment nicht. Daher nur kurz Eindrücke und Fotos. Und der Link zur >offiziellen Homepage<. 

Wenn man die Ausstellung betritt, kommt man in einen großen Vorraum. Hier sind Bildtafeln über Howard Carter, über den Stein von Rosetta, und hier und da ein wenig Input zum Einstimmen auf das Kommende. Sehr unspektakulär, und man fragt sich "wenn das andere, das kommt, genauso ist, warum machen die dann so ein Theater deswegen?"

Bildtafeln, kleine Ausstellungsstücke, eine Statue, Stelen, und natürlich ein Audioguide. Mit den Stimmen von Katharina Thalbach und Rolf Schult (Cpt Picard). Die Dame am Empfang meinte, es sei ein Hörspiel, nun ja, da habe ich andere Auffassungen, es war einfach ein gelesener Infotext mit zwei Sprechern. Aber sehr, sehr gut umgesetzt und spannend zu hören, der Schreiberling dafür hat gute Arbeit gemacht, die Sprecher ebenso.

Fotografieren war erlaubt, jedoch ohne Blitz. Als sie das an der Kasse sagte, meinte ich "na klar, die Originale nehmen sonst Schaden". Die Dame wollte mich dann glatt aufklären, dass das Repliken sind, sie hatte meinen Witz nicht begriffen. Mir ist klar, dass der einzige Grund nur der ist, dass sie lieber Bildbände verkaufen als Fotos machen zu lassen ...



Nach dem Vorraum kommt man in einen kleinen Kinosaal, wo kurz ein paar Infos über Carter und Co genannt werden, danach ein zweiter kleiner Saal mit einem weiteren Film über die Pharaonen. Kurz, informativ, aber ich gebe zu, dass ich dabei wenig Neues erfahren habe. War halt "nett". 

DANACH aber kommt das, was die Ausstellung wirklich toll macht: man kommt in einen Raum, alles dunkel, nur ein Teil beleuchtet. Dazu dann wieder Audio. Licht geht an, aber nur partiell genau dort, worüber gerade erzählt wird. Sehr atmosphärisch. Carter hatte alles exakt dokumentiert, wie er es vorgefunden hatte, auch wo die Dinge lagen und wie sie angeordnet waren. Mein Eindruck war "ganz schön rumpelig" aber gleichzeitig "wow, umwerfend". 







Fotografieren war sehr schwer, denn man hatte Bänke vor die Räume gestellt, direkt betreten und mittenrein durfte man natürlich nicht, sonst hätte man die Position der Objekte verändert. Ich lief lieber vor dem Fenster hin und her, um alles besser sehen zu können, aber die meisten Leute blieben sitzen, und natürlich stand ich ständig im Weg (war aber nicht die einzige). Es war unglaublich beeindruckend. 

An den Wänden die Wandmalereien nachgemacht. Die Gänge waren allerdings natürlich höher, breiter, die Gänge hat man nicht exakt rekonstruiert. Trotzdem kam ein sehr gutes Gefühl dabei auf, wie es wohl gewesen sein mag. 

Schade ist, dass der Guide nicht so ganz exakt zu der Ausstellung passt. Je nachdem, wo sie aufbauen, werden vermutlich manche Dinge leicht geändert, und es kam dabei also vor, dass etwas erzählt wurde, das ich jedoch nicht erkennen konnte. Oder dass man um die Ecke hätte gehen müssen, um etwas zu sehen, was man jedoch versäumte, da man davor stand, weil es ständig hieß "hier vor sich sehen Sie" ...



Und nach diesen bewegenden Momenten ging es zur Ausstellung selbst. Alles originalgetreu nachgebildet, die Größen exakt bemessen. Keine Originale, muss es auch nicht, das ist mir egal, es war sehr gut gestaltet, und das erhabene Gefühl kam auf. Die Sarkopharge, die Särge, Handschriften von Carter mit Doku über Fundstücke, Grabbeigaben, Kanopen, und teilweise auch Dinge, die ich nicht verstand und erkennen konnte, zu denen der Audioguide leider auch nicht viel sagte. Vielleicht wird manches auf ewig ein Geheimnis bleiben. 

Auch hier war die Erklärung auf dem Audioguide teils nicht übereinstimmend mit der Ausstellung, so wurde man etwa um einen Sockel mit Statuen geführt, der Sprecher erzählte etwas, und man dachte "ja, wo steht diese Statue nun?". Und als man dann per Guide um den Sockel herumgelotst wurde, stand dort das, was er bereits erzählt hatte, und das, was nun kam, stand wieder auf der falschen Seite. Hier hätte ich mir für 15 Euro doch etwas mehr Genauigkeit gewünscht. Wenn es räumlich nicht geht wie bei den riesigen Wandbildern okay, aber zumindest das hätte man irgendwie lösen können. Trotzdem, nur ein kleiner Makel der ansonsten grandiosen Ausstellung, die für ziemlich viel Gänsehaut sorgte.













   

Und am Ende: Souvenirs, Souvenirs


Salamander 28.10.2013, 11.16 | (1/1) Kommentare (RSS) | PL

Museum Industriekultur Bikes 03












Hier einige Scheunenfunde, die ungeliebt und unbeachtet über viele Jahre vor sich hinrosteten. Wirklich traurig. Andererseits, diese kleine Ecke mit den verrosteten, uralten Motorrädern hat ihre ganz eigene Ästhektik, ich stand lange davor ...

Salamander 20.09.2013, 11.42 | (0/0) Kommentare | PL

Museum Industriekultur Bikes 02


Das Fahrrad, mit dem Georg Dotterweich für die >Victoria-Werke< einen Weltrekordversuch startete.





Ist diese >Zündapp< Bella nicht allerliebst?



Es gefiel mir, dass die Motorräder und Fahrräder nicht nur im dafür vorgesehenen Bereich in der oberen Etage standen. Sondern man fand immer mal wieder eines irgendwo in einem Seitengang, im Flur, im Verbindungsweg von A nach B, neben der Absperrung zwischen den Elektrogeräten und überall im Museum verteilt. 





Ich fand es faszinierend, wie die Geräte ohne Verkleidung so schön einsehbar waren, wo heute alles mit Plastik zugemantelt ist. Zu gerne würde ich eine so ganz alte Maschine fahren, das ist ganz sicher ein anderes Gefühl. Schaltung, Federung, Körperhaltung, Bremsen, ... es hat sich viel getan :-)

Salamander 18.09.2013, 13.16 | (1/1) Kommentare (RSS) | PL

Museum Industriekultur Bikes 01

Hier nur ein kleiner Ausschnitt. Wem die Bilder gefallen - ich zeige hier in drei Beiträgen nur einen winzigen Bruchteil all der Räder, Roller, Motorräder, die im Museum ausgestellt sind. Da schlägt das Motorenherz höher ;-)





>Steherrennen<, davon hatte ich noch nie im Leben gehört, zumindest nicht bewusst.
 Faszinierend, was es alles gibt ;-)





Na, wer erinnert sich noch? Zu meiner Zeit war das nicht mehr aktuell, aber ich erinnere mich, dass zwei oder drei Leute, die ich kannte, eines besaßen ... ein >Bonanzarad<



"Knirps" von >Triumph<. Weit, weit vor meiner Zeit, wirklich spannend, hier die Geschichte zu erleben im Museum! Der Übergang vom Fahrrad hin zum motorisierten Zweirad ...



Auch >Hercules< hat eine traditionsreiche Geschichte zu erzählen.


Salamander 16.09.2013, 12.44 | (1/1) Kommentare (RSS) | PL

Boss Hoss

Dieses hübsche Maschin"chen" möchte ich Euch heute zeigen. Steht im Museum Industriekultur und hat mich auf Anhieb begeistert. Viel dazu erzählen möchte ich gar nicht. Nur soviel:

Die Kleine hat 8220 ccm, 356 PS und wiegt läppische 860 kg ;-)
Die neueren Modelle sind tauglich für den Straßenverkehr. Die älteren Maschinen der Anfangszeit allerdings waren eher Schmuckstücke als Fahrzeuge, und Maschinen wie die hier ausgestellte gelten eigentlich als kaum zu bewältigen.

Mir war "Boss Hoss" zuvor kein Begriff, aber ich habe mich sofort in dieses riesige Teil verliebt, WOW! (Nur das Rosa, najaaaaaa, nennen wir es einfach mal freundlich "Geschmackssache") Fahren würde ich es sicher niemals, da hätte ich zuviel Respekt, meine Liebe zu großen Motorrädern hin oder her. Aber bewundern macht auch Spaß ;-)

Wen es interessiert, der kann ja auf der offiziellen Seite bei >Boss Hoss< ein wenig stöbern. Mehr erfahren über die Geschichte dieses ungewöhnlichen Bikes und sich an ein paar schicken Modellen erfreuen ... 












Salamander 07.09.2013, 11.17 | (1/1) Kommentare (RSS) | PL

Museum Industriekultur am 02.09.2013 Bericht

Am Dienstag war ich also tatsächlich im >Museum< Industriekultur. Bin gedanklich schon lange drumherum geschlichen und habe überlegt, wann ich es denn endlich besuche. Und dann, zack, spontan hatten Schatz und ich Lust. "Schuld" daran unter anderem die >bayernweit umfangreichste Computersammlung< mit historischen Spielcomputern und Videospielen. Und das >Motorradmuseum< klang auch vielversprechend! Alles ist ziemlich umfangreich, und ich weiß in diesem Beitrag gar nicht so recht, wie ich das sortieren soll. Daher hier eine offzielle Übersicht, wie die >Museumsstraße< aufgebaut ist und wie die Themen sich gliedern. Und mein Beitrag statt dessen kreuz und quer ;-)

Ich habe mir einfach mal einen Nachmittag auf Arbeit freigenommen, damit wir ins Museum können. Fußweg etwa fünf Minuten. 1,5 Jahre haben wir uns gefragt, wie es wohl hinter dem Eingang aussieht und was es dort zu sehen gibt. Bequemlichkeit ist manchmal eine faszinierende Angelegenheit, die wohl jeden von uns ereilt ;-)

Ich bin froh, dass wir uns gestern aufgerafft hatten. Es war wirklich toll, und wir waren fast vier Stunden dort. In dieser Zeit haben wir manches überflogen, anderes recht genau angesehen. Die Eindrücke waren vielfältig, und ein zweiter Besuch lohnt sich auf jeden Fall. Ich habe gar nicht alles gelesen, was dort ausgeschildert war, das hätte man sich gar nicht alles merken können, daher habe ich mich auf ein paar einzelne Aspekte konzentriert, die mir heute wichtig waren. Und, ehrlich, 5 Euro für vier Stunden geballte Nostalgie, Info, Kultur und Geschichte, das ist wirklich ein fairer Preis!

Ach ja, und ebenfalls erwähnenswert: der Herr am Empfang war wirklich sehr nett, hatte eine sympathischen Humor und war alles andere als der typische vertrocknete Museumsmitarbeiter. Am Eingang gibt es auch ein kleines Café. Ziemlich günstig, denn im Grunde nur eine Sitzecke mit Kaffeeautomat (aber sehr leckerer Kaffee, hatte einen Mokka Choc), und an der Kasse kann man ein paar Süßigkeiten kaufen. Aber das genügt auch und war mal unerwartet anders :-)

"Museum Industriekultur", was muss man darunter verstehen? Nun, das Museum befindet sich in einer großen Schraubenfabrik aus den 1920ern, Teil eines riesigen ehemaligen Industriegeländes. Seit dem Jahr 2000 werden dort Beispiele aus der Industriegeschichte Nürnbergs sowie dem Leben in der Stadt präsentiert. Oder, etwas plastischer ausgedrückt: auf zwei Etagen und auf 6000 qm kann man verschiedene Themen hautnah erleben. Nicht etwa hinter Glas und in Vitrinen, sondern zum Greifen nah. Ohne Glas, ohne Absperrband. Wenn auch überall mit Schildern "bitte nicht berühren". Trotzdem, es ist ein tolles Gefühl, so nah an einer dieser riesigen meterhohen Maschinen zu stehen, den Kopf unter das Verdeck eines offenen Wagens zu stecken und das Innere genau zu erkunden. Am liebsten würde man sich auf all die Motorräder setzen, selbst mal einen dieser alten Feuerwehrwägen bedienen, die riesige Maschine für Lebkuchenteig drehen. Und der "Rollstuhl" war ja wirklich der Hammer, wesentlich kultiger als die Teile heute, yeah! 











Die Sachen waren sehr hübsch präsentiert, standen mitten im Raum, mal aufgebockt mal hingen sie an der Wand (kleinere Gegenstände und Fahrzeuge). Und einige scheinen noch richtig gepflegt oder gar genutzt zu werden, es schienen Ölwannen darunter zu stehen. Oder war das vielleicht nur Deko? 

Man vertraut dem Besucher, das finde ich schön. Und zum praktischen Be-Greifen gibt es mehr als genug: ein Lern- und Spaßlabor für Kinder mit interessanten Spielen und Experimenten. Das habe ich nicht fotografiert. Waren beispielsweise ein großer Klingeldraht, den kennt man. Oder Sachen, die man nicht fotografieren konnte weil zu verwinkelt oder zu großflächig oder nur in Aktion interessant. Außerdem gibt es überall im Museum immer wieder Dinge, die man auch anfassen darf, Knöpfchen zum Drücken, uralte Triumph Adler Schreibmaschinen zum Testen. Die kann ich Euch zeigen ;-) 

Auf so einem Ding habe ich bei meinem Opa Schreiben gelernt, noch bevor es die elektronischen Maschinen gab. Oh, ich habe viele Kurzgeschichten und Texte damit verfasst ... ich erinnere mich noch, wie dann, wenn ich zu schnell schrieb, schon mal die einzelnen Ärmchen verhedderten. Wie ich das Ping am Ende der Zeile liebte. Wie ich mit Schmackes die Rolle zurückschob. Und wie meine kleinen Finger abrutschten und sich schmerzhaft zwischen den Tasten verklemmten :/



Die Nähmaschine war leider nur zum Ansehen ... ich kann ja nicht mit so etwas umgehen, aber ich kenne eine Menge Leute, die ihre helle Freude an den zig Geräten gehabt hätten, die es hier gab. Alte Bügelmaschinen, Web-Geräte, Nähmaschinen, Handarbeit pur. Aber Zündapp, das gefiel mir trotzdem ;-)



Manche Geräte waren einfach in meterhohen Regalen gestapelt. Wäre irgendwie nett gewesen, wenn einiges davon auf Augenhöhe gewesen wäre, ich fand es sehr spannend, aber in vier Meter Höhe kann ich das einfach nicht sehen. Fehlte vermutlich der Platz und wird nur manchmal hervorgekramt. Zumal die neueren Modelle alle unten standen und die interessanten uralten Waschmaschinen alle ganz hoch oben waren :(





Außerdem konnte man sehen, wie ein Zimmer damals aussah, zum Beispiel ein Wohnzimmer, eine Küche. Nierentischchen, Postersessel, alte Kücheneinrichtungen, und und und. Diese Küche hier durfte man nicht betreten.



Aber viele Räume darf man betreten - man kann zum Beispiel in eine alte Zahnarztpraxis *schauder*. Naaaa, habt Ihr Vertrauen, würdet Ihr Euch auf diesen Stuhl setzen? ;-)


Oder man geht lieber weiter und betritt einen Kolonialwarenladen. Hieß so, weil dort vor allem Genussmittel aus Übersee, den Kolonien verkauft wurden, etwa Zucker, Kaffee, Tee, Gewürze. Aber es wurden auch andere Produkte verkauft, und daraus wurden dann die klassischen Tante Emma Läden. Nostalgie pur, in diesem kleinen Laden zu stehen, die originale Kasse, die Dosen, Emailleschilder. Interessant, welche Marken sich auch gehalten haben und was man heute nicht mehr kennt. 



Und man kann auch ein altes Klassenzimmer besichtigen, mit Schaukasten, Tafel, altem Abakus und was noch alles so in einen Schulraum damals gehörte. Zum Thema Schule gibt es auch eine Sonderausstellung "Schulmuseum", in der Schule seit 1900 näher beleuchtet wird. Ebenfalls sehr interessant, für Fotos hier aber weniger geeignet da hinter Glas und mit viel Text zum Lesen. 



Man kann viele alte Geräte betrachten. Ich mag ja erst Mitte 30 sein, aber ich kam mir sehr alt vor. Gerade durch meine Großeltern ist mir vieles in Erinnerung. Oma sagt ja immer "wenn Opa mal nicht mehr ist, dann lass ich ´nen Container kommen und werf das Zeug alles da rein", aber heute dachte ich mir "ne, Du, Oma, gib das mal lieber an die Museen in der Region!". Alte Transistoren, Röhren, Platinen, Schaltkreise, ein ganzer Raum voll mit diesen Dingen. Leider hinter Glas, aber das verstehe ich in dem Fall, daher leider keine Fotos.

Aber auch alte Technik anno piefke, wie ich sie damals noch erlebt habe (omG, wenn man Sachen, mit denen man aufgewachsen ist, im Museum sieht, was bedeutet das?). Alte Nähmaschinen, Tonbänder, Jukebox. Die alten weißen Blechnäpfe mit blauem Rand, alte Staubsaugermodelle, und und und. 

Tahaaaa, und auf so einem Tonbandgerät habe ich meine Hörspiele zum Einschlafen gehört. Noch vor den Kassetten. Nicht, dass es Kassetten nicht schon gab, aber mein Opa hatte halt ein Tonbandgerät und viele wunderschöne Märchen ... ich erinnere mich noch an das Flappflappflappflappflapp, wenn es zu Ende war :)



Und so eine Jukebox stand in unserer Pizzeria. Aber die war damals schon alt ;-)



Und natürlich gibt es einen Schrein für den FCN, das ist in Nürnberg einfach ein MUSS 
;-)



Das Fraunhofer Institut hat eine Menge beigetragen zur Entwicklung der heutigen Computertechnik. Aber leider kann ich Euch zu diesem Teil des Museums kaum etwas erzählen. Ich reagiere ziemlich sensibel auf Geräusche, Spannungen, Hochfrequenzen. Und in dem hinteren Eck, wo die Computersachen ausgestellt waren, da war irgendein Gerät, das mich fast in den Wahnsinn getrieben hätte (ich gehöre zu den Leuten, die es keine fünf Minuten im MediaMarkt aushalten. Konnte früher wochenlang nicht richtig schlafen, weil irgendetwas fiepte, und Ex sagte, ich sei verrückt, da fiept nix. Tja, dann bin ich mal auf die Idee gekommen, die Steckerleiste auszumachen, weil ich das Geräusch dort ortete, und seitdem konnte ich schlafen, weil nichts mehr fiepte. Ihr könnt Euch also denken, dass diese Elektroabteilung mit alten Geräten für mich eine Art Folterkeller darstellte *g*).

Aber was ich Euch zeigen kann: ein paar Meter daneben findet sich die Geschichte der Computer von den Anfängen bis heute. Die uralten Sachen konnte ich wie gesagt nicht fotografieren, aber die ersten "Heimcomputer" hinter Glas habe ich Euch mitgebracht. Zum Beispiel ein alter Apple von 1984, ein C 64, Commodore PET 2001, ... und ein ganzes Regal voll mit alten Tastaturen und den ersten elektrischen Schreiberlingen :-)







Ach ja, und natürlich der Grund, warum wir überhaupt das Museum aufgesucht haben heute: die bayernweit größte Sammlung von Computerspielen bzw alten Konsolen, auch zum Anfassen und Testen. Hm, ich gebe zu, dieser Bereich hat mich dann doch enttäuscht. Sosehr ich vom Rest des Museums begeistert war, aber hier hatte ich mir doch etwas mehr versprochen. Bin ich wirklich schon so alt, dass mich das nicht mehr vom Hocker reißt? Die wirklich schönen, alten Sachen konnte man nicht mehr zocken, es standen alte Geräte dort, aber eines war angeblich defekt, die anderen waren ausgeschaltet. Damit konnte man angeblich Pacman spielen oder Pong und andere Klassiker. Es war auch nicht wirklich etwas dazu erklärt, sie standen einfach nur nebeneinander auf dem Tisch, ausgeschaltet und tot. Und eine Etage darunter waren Geräte, die ich nicht mehr wirklich als "Museum" bezeichnen würde (die Kids von heute schon), etwa ein Gameboy, ein SegaDrive, die Bongos von Nintendo, der GameCube, ja sogar die Wii. Und in dem Infotext daneben stand, dass die Wii als neueste Konsole eine besondere Technik verwende, die wohl neue Maßstäbe setze. Es werde sich zeigen, wie die Menschen dies annähmen und ob es sich durchsetzen könne. 

Hm, so ganz up to date war das nicht mehr. Immerhin, man konnte die Sachen auch testen. Einige Kids saßen da und zockten an der Wii Golf oder spielten mit dem Controller Super Mario oder Mario Cart. Auch wenn ich gestehe, dass der Sinn dieser Ausstellung mir sich nicht so ganz erschlossen hat. Naja, das ist das Problem, Ausstellungen sind meist für Laien, nicht für Nerds (meine Oma dagegen hätte sich vermutlich gefragt, wozu man denn bitte die alten Waschmaschinen und Staubsauger extra irgendwo hinstellen muss und welche Geräte da doch alles fehlen, die ihr wichtig waren *hihi*. Und so ging es mir eben bei den Vor-PC-Games. Nicht mal alte LCD-Games hatten sie dort). 

Naja, egal, es war trotzdem grandios. Den besten Teil der Ausstellung habe ich Euch nämlich noch gar nicht vorgestellt! Bikes ohne Ende. Uralte Fahrräder, die allerersten motorisierten Teile, und dann lauter faszinierende Motorräder. Zündapp, Ardie, Hercules, Adler, Victoria. An die 50 Firmen gab es damals in Nürnberg! Hier eine Liste der >Nürnberger Motorradwerke< (Tja, Motorrad. Die kultigen Vespen, Schwalben, Lambrettas und Co fehlen. Aber neben Bier, Lebkuchen, Motorrädern, Schreibmaschinen, Christkind, Dürer und anderen Dingen kann Nürnberg eben nicht alles haben, so ungern ich das eingestehe). 

Eine riesige lange gewundene Straße, rechts und links standen und hingen die Motorräder. Glaubt mir, am liebsten hätte ich mich auf jedes einzelne gesetzt, um es nicht nur zu bestaunen sondern auch zu erleben. Hier ein paar Bilder vom Gesamteindruck, einzelne Modelle zeige ich dann später. Und besonders angetan hat es mir die fette BossHoss im Eingangsbereich, der widme ich einen eigenen Beitrag. Aber jetzt, zum Abschluss, hier ein paar klassische Motorräder ...








Salamander 04.09.2013, 09.11 | (1/1) Kommentare (RSS) | PL

Marco Kirchner - Geisterwege

Wie ich >hier< in einem früheren Beitrag angekündigt habe, möchte ich Euch gerne >Marco Kirchner< und seine Führungen >Geisterwege< vorstellen. Inzwischen habe ich nahezu alle seiner Führungen miterlebt, doch hin und wieder kommt etwas Neues, und ich freue mich immer wieder, wenn er ein Special Event einlegt oder eine neue Tour in sein Programm aufnimmt. Seine Führungen machen regelrecht süchtig nach mehr ...

Und ein kleiner Tipp: es sind enorm viele Links diesmal in meinem Beitrag. Bitte nicht ignorieren, zumindest mal drüberfahren. Denn einige davon führen zu Youtube, wo man ihn live erleben kann, sodass Ihr einen Eindruck bekommt, was Euch bei der Führung erwartet ...


DAS BESONDERE

Wenn ich erklären müsste, was mich so fasziniert an seinen Führungen, wenn man mich fragt, warum gerade seine Geschichten etwas Besonderes sind - ich wüsste nicht, wo ich anfangen soll! Die Atmosphäre, die er während der Führung verbreitet. Sein Auftreten, sein Charisma. Die Zusammenstellung der jeweiligen Geschichten, vorgetragen an den jeweils passenden Orten. Seine profunde Kenntnis nicht nur über die Geschichten sondern auch entsprechende Zusammenhänge und Hintergründe. Er ist keiner, der einfach nur einen Vortrag auswendig lernt, sondern er präsentiert, was er sich erarbeitet hat, was er recherchiert hat. Von ihm hört man Geschichten, die man nicht an jeder Straßenecke bekommt. Sondern von ihm bekommt man Inhalte geboten, die wirklich unglaublich klingen und ein völlig neues Licht auf meine geliebte Stadt werfen. Aber ich bin schon mittendrin, werde mich nun bemühen, meinen Beitrag ein wenig zu sortieren ;-)


SEIN AUFTRETEN

Marco Kirchner präsentiert seine Führungen als >Wandererzähler<. Lange Haare, ein spitzer Bart, dazu die passende mittelalterliche Gewandung: ein Schlapphut mit langer Feder, die restliche Tracht passend dem Thema der Führung und dem Wetter entsprechend. Zum Beispiel Lederhose, Leggins wie ein Gaukler, ein Kapuzenumhang gehalten von einer markanten Schnalle, ein breiter Gürtel mit Trinkhorn, Geldbörse, Hasenpfote, Lederschuhe, Leinenhemden, Accessoires aus Leder, Metall und gewebten Stoffen. Gut, die Brille gehört nicht dazu, aber auf die kann man nicht verzichten. Nur selten entdeckt man ansonsten etwas Anachronistisches an ihm, dafür muss man schon sehr genau hinsehen ;-)

Ich habe schon andere verkleidete Künstler gesehen. Klar, in Nürnberg ist das Mittelalter präsent, und oft versuchen die Führungen dies optisch darzustellen. Aber man erkennt, dass es Verkleidung ist. Die Führer beherrschen nicht die alte Sprache, rutschen immer wieder in moderne Worte. Die Kleidung ist zu sauber und perfekt, als dass sie echt wirken könnte. Es ist ein Schauspiel. Aber Kirchner scheint seine Führungen zu leben.

Wenn man mit ihm durch die Stadt wandert, dann fühlt man sich zurückversetzt in das alte Nürnberg, sei es in das Jahr 1050, in welchem Nürnberg erstmalig erwähnt wurde oder die späteren Jahre des Mittelalters. Der Allgemeinheit bekannte und auch weniger bekannte Figuren: der Henker >Meister Franz<, der Bader >Hans Folz<, die >Patrizierfamilie Tucher<, >Albrecht Dürer< und unzählige andere Familien, Maler, Erfinder, Dichter, Kirchenmänner, Ritter, Raubritter, Könige, Kriegsherren, sie werden durch ihn lebendig, so als hätte er sie persönlich gekannt und schlüpfe nun in deren Rollen.

Mit Wortwitz und angenehmer Stimme trägt er seine Erzählungen vor, die Sprache angemessen den Geschichten, das Vokabular ist ihm in Fleisch und Blut übergegangen, er spricht frei und ist flexibel, reagiert spontan auf Fragen, bezieht das Publikum in seine Geschichten ein, geht auf die Leute zu. Stört ein Auto (was in der Altstadt selten vorkommt und daher erwähnenswert ist) die Führung, so tritt er beiseite, "lässt die Kutsche passieren", dies wirkt so natürlich und in keinster Weise gestellt, nichts vermag die Atmosphäre zu stören, die er kunstvoll erschafft. 


DIE ATMOSPHÄRE

Meisterlich beherrscht er die Kunst des Fabulierens. "Show don´t tell": natürlich muss er Jahreszahlen einbringen, und natürlich nennt er auch Namen, die man danach eventuell wieder vergessen hat. Aber was im Gedächtnis bleibt, das sind die Bilder, die während seiner Vorträge im Kopf entstehen. Er sagt nicht "das Kind wollte in den Wald und Honig kaufen". Sondern er holt aus: Beschreibt, wie das Kind sich etwas in den Kopf gesetzt hat, fragt den Zuschauer, was er sich als Kind in den Kopf gesetzt hatte und ob er dann auch eine Dummheit dafür beging. Und er beschreibt, was für eine besondere Leckerei Honig war und wie traurig das Kind war, als nichts mehr davon im Haus war, und wie es sich auf den Weg in den dunklen Wald machte, um dort den >Zeidler< aufzusuchen. Die Menschen um uns herum verschwinden, die moderne Stadtkulisse verblasst, es entstehen Bilder der alten Stadt, des dunklen Waldes, man schmeckt den Honig auf der Zunge und folgt dem Kind in die Stadt, verläuft sich im Dunkel und findet den Weg nicht mehr zurück. Doch zum Glück steht er da mit seiner Fackel, geleitet uns zurück in die Stadt und führt uns weiter über das holprige Pflaster hin zum nächsten Abenteuer ...

Die Fackel ist im Dunkel sein Begleiter, ich besuche bevorzugt die Führungen in der Jahreszeit, wenn es bereits dunkel ist, wenn man alles um sich herum vergessen kann und sich ganz auf ihn einlässt. Dazu führt er seine Hörer an die entsprechenden Kulissen. Eineinhalb Stunden läuft man mit ihm durch die Gassen, sieht verwinkelte Eckchen, große Plätze, steht vor Kirchenportalen und steigt hinauf auf die Burg. Manchmal baut er kleine "Effekte" ein, trägt kleine Gegenstände zur Untermalung bei sich: am Henkersteg zieht er etwas aus der Tasche, und ich schmunzle stets über die erschrockenen Gesten der Anwesenden. Bei einer der Führungen gibt es zusätzlich sogar Schauspieler, welche als schaurige Gestalten ein bisschen Grusel verbreiten und die Gruppen begleiten.

Nein, "Stadtführung" wäre untertrieben. Seine Führungen sind Events, und sie sind mindestens so unterhaltsam wie ein Besuch im Theater oder Kino. Man muss ihn selbst erlebt haben :-)


DIE ZUSAMMENSTELLUNG DER FÜHRUNGEN

Inspiriert von britischen Ghost- und Storywalks rief er 2002 die Nürnberger Ghostwalks ins Leben. Doch die Nachfrage stieg, die Stadt bietet ein Füllhorn bisher unerzählter Geschichten, und so schuf er weitere Themenführungen. Es wäre zuviel, würde ich hier alle einzeln auflisten, deswegen hier der Link zur Übersicht seiner >Geisterwege< sowie ein allgemeiner kurzer Überblick. 

Er widmet eine Führung beispielsweise dem berühmten Raubritter >Eppelein von Gailingen< ("sie haben ihn gefangen mit Spießen und mit Stangen" - wer kennt dieses alte Gedicht nicht?). Man erfährt von seinen Schandtaten, seinen Schelmenstreichen, von seiner Ergreifung ("die Nürnberger hängen keinen sie hätten ihn denn") und dem berühmten Sprung über die Stadtmauer, auch von seinem tragischen Tod. Man erfährt von Schelmen, Gauklern und Narretei. So trieb zum Beispiel sogar >Till Eulenspiegel< sein Unwesen im Heilig Geist Spital und stellte sich dar als Wunderheiler mit kurzfristig sogar überragendem Erfolg. 

Auch wird es erotisch, denn so kühl der Franke sich gibt, so heiß lodert es unter seiner Oberfläche. Es reiste Raimund von Capua extra aus Venedig heran, um dem Teufelstreiben im Katharinenkloster Einhalt zu gebieten, denn Teufelswerk und Unzucht waren der Heiligen Römischen Kirche ein Dorn im Auge. Eine >romantische Liebesgeschichte< war Anlass zur ersten urkundlichen Erwähnung der Stadt Nuorenberc. Und auch sonst waren die Nürnberger nicht untätig, es war ein reges Treiben in der Stadt. Diese Führung hebt sich von den sonst eher düsteren Touren ein wenig ab, doch auch hier gelingt es ihm meisterlich, das Liebesleben der alten Nürnberger darzustellen. Mit einem frechen Zwinkern im Augenwinkel erzählt er von Nonnen, Priestern, Adligen und gehörnten Ehemännern, stets frivol aber niemals unter der Gürtellinie. 

Henker, schaurige Morde, berühmte Richtsprüche, eingekerkerte Persönlichkeiten, grausame Schicksale, Poltergeister und das Wüten der Pest - all das ist seine Spezialität, es scheint die dunklen Gestalten liegen ihm besonders am Herzen. So erfährt man von Kirchner genau, woher der berühmte Dracula seinen Namen hat: Graf >Vlad III Draculea<, Sohn des Drachen, in Nürnberg aufgenommen in den Drachenorden. 

Eine eigene Führung widmet er - jedoch in Fürth, nicht in Nürnberg - dem berühmten Erzzauberer und Schwarzkünstler, Wunderheiler, Alchemisten, Magier, Astrologen, Wahrsager >Dr. Faustus<, Vorlage zu Goethes Dr. Faust. Denn dieser wurde der Stadt Nürnberg verwiesen, wie man in einer alten Urkunde des Stadtarchives erfahren kann.


SEIN FACHWISSEN

Normalerweise besuche ich eine Führung, und wenn sie aus ist, dann ist sie eben aus. Bei Kirchner ist das anders: sobald ich zu Hause bin, beginne ich mit der Recherche, suche mir entsprechende Links oder Fachbücher, schlage in meinen alten Sagenbüchern nach, mache mir Notizen und gehe diesen in den folgenden Tagen nach, sei es im Antiquariat oder der Bibliothek. Er erzählt von Ereignissen, die so spannend sind und doch so selten erwähnt werden in anderen Büchern und Stadtführungen, dass ich mich nur wundern kann, wie solch faszinierenden Themen nicht schon längst ausgeschlachtet und vermarktet wurden. Er gräbt tief in den Büchern und holt aus den verstecktesten Winkeln neue Inhalte für seine Touren. 

Wie schon erwähnt: er hält keine auswendig gelernten Vorträge, sondern er ist ein Geschichtenerzähler. Er trägt das Wissen in sich, und er kann spontan auf Fragen oder Einwürfe der Gäste reagieren. Einige Geschichten hörte ich mehrfach: bei meinen abendlichen Spaziergängen bin ich ihm schon häufig begegnet, eine Gruppe um sich geschart, und ich lauschte einige Minuten. Und einige wenige Geschichten werden auch in verschiedenen Führungen erwähnt, da sie von solcher Bedeutung für die Stadt sind, und immer erzählt er sie zwar in ähnlichem Stil aber doch andersartigem Wortlaut. 

Auf dem Fußweg von einer Station zur nächsten oder nach der Führung steht er auch gerne bereit für Fragen. Und ich gebe zu, ich kann es nicht lassen, die Geschichten sind so spannend, mir schwirren tausende Fragen im Kopf, und um zu Hause besser recherchieren zu können, muss ich ihm einige davon immer sofort stellen. Geduldig und ausführlich beantwortete er sie alle. Und zeigt dabei, wie tief verwurzelt seine Faszination für die alten Geschichten ist. Er kennt nicht nur die alten Legenden, und dies nicht nur aus Nürnberg, sondern er zieht Verknüpfungen zu anderen Städten, geht auch auf Spezialthemen ein, ob nun Mystik, Geschichte, spezielle Orte, Literatur, Persönlichkeiten und Jahreszahlen. Kennt die Hintergründe zu den Anekdoten und Legenden, kann entsprechende Quellen benennen. Sogar bei seiner Kleidung legt er großen Wert auf Authenzität, kann etwa die Bedeutung eines Schmuckstückes erklären oder legt sich spezielles Schuhwerk für bestimmte Führungen zu. 

Über seine Leidenschaft, seine Ausbildung und wie er zu dieser ungewöhnlichen Umsetzung der Geisterwege kam, kann man >hier< genauer nachlesen.


ZUM ABSCHLUSS

Zum Abschluss für alle Touristen kann ich nur sagen: es gibt viele Stadtführungen. Aber, seid ehrlich - interessieren Euch Jahreszahlen und langweilige Gebäude, die man sowieso wieder vergisst? Oder wollt Ihr, dass die Geschichte vor Euren Augen lebendig wird? Werft einen Blick in sein Programm und sucht Euch die beste Führung für Euren Besuch aus, es ist ein Erlebnis!

Und für alle "Nermbercher": Du kennst die Führungen noch nicht? Na, dann wird es Zeit, Du wirst Deine Stadt erleben, wie Du sie noch nie gesehen hast! Und falls Du schon glaubst, alle Führungen zu kennen: bist Du Dir da wirklich sicher? So hat er zum Beispiel dieses Jahr die >Hexenjäger und Pöppelträger< neu in sein Programm genommen. Ebenfalls neu und in Nürnberg einzigartig ist die Reihe >"Wem die Stunde schlägt"<, wo er anlässlich der Todestage historischer Persönlichkeiten im Rahmen seiner Führungen dieser Personen gedenkt und zusätzlich zum regulären Programm Spannendes aus deren Leben und über deren Tod erzählt. Und so wissensdurstig und begeistert er ist, bin ich sicher, dass es im Laufe der kommenden Jahre noch viele weitere Programme geben wird ;-)

Salamander 11.04.2012, 14.57 | (0/0) Kommentare | PL

Stadtführungen in Nürnberg

STADTFÜHRUNGEN

Ich liebe diese Stadt, und ich liebe vor allem auch den mittelalterlichen Flair. Es ist herrlich, hier immer wieder neue Fleckchen zu entdecken und mehr über das bunte Treiben der damaligen Zeit, aber auch über die Gegenwart zu erfahren. Dazu lese ich gerne Reiseführer, besuche Museen und Veranstaltungen, mache die Gegend mit dem Fahrrad unsicher. Habe schon einige Antiquariate nach bestimmten Buchtiteln durchstöbert. Und ich habe noch viel vor.

Was ich toll finde: bei "Stadtführung" denkt man an einen Führer, der die Touristen mit trockenen Jahreszahlen totprügelt und sie so lange von einer Sehenswürdigkeit zur nächsten treibt, sie ihnen die Fakten aus den Ohren bluten und niemand mehr weiß, was eigentlich erzählt wurde. Eben das, was man als Tourist erlebt haben muss: "ich war da, ich habe es gesehen, woah, war das toll, aber ich habe keine Ahnung, was ich mir eigentlich angeguckt habe". So ist es in Nürnberg nicht. Im Gegenteil: die Kulturliebhaber, Vereine und Privatpersonen überschlagen sich regelrecht darin, die Stadt nicht nur für Touristen, sondern auch für Einheimische immer wieder zu einem spannenden Erlebnis zu machen. Nürnberg ist Geschichte. Nürnberg ist Politik. Nürnberg ist Mittelalter. Und Nürnberg ist lebendige Gegenwart. Klar gibt es ein kleines Touristenwägelchen, das am Hauptmarkt startet und dann ein paar nette Sehenswürdigkeiten abklappert, eine Stimme vom Tonband spult ein paar langweilige Fakten ab. Das zeige ich den Touristen, wenn sie Nürnberg an einem Tag mal kurz erleben wollen. Aber wer länger hier ist, für den bietet die Stadt weitaus mehr!


ALTSTADTFREUNDE

Ich liebe die Architektur der Stadt und ihr traumhaftes Stadtbild. Werde es niemals müde, durch die Altstadt zu spazieren. St. Sebald, St. Lorenz, ich wandere über die Kopfsteinpflaster, blicke hinauf in das Fachwerk, ich liebe die uralten Gebäude, wohnte sogar selbst in einem denkmalgeschützten Haus des 16ten Jahrhunderts direkt an der Stadtmauer. Die alte Architektur liegt mir sehr am Herzen, und ich könnte Stunde um Stunde meine Gäste von außerhalb durch die Innenstadt führen und ihnen erzählen von den alten Häusern, von den Bauwerken und Denkmälern, von besonderen Geschehen, die sich hier und dort ereigneten. Besonders aktiv sind auf diesem Gebiet die >Altstadtfreunde Nürnberg<.

Sie veranstalten nicht nur spannende Streifzüge und lehrreiche Stadtspaziergänge, halten Vorträge und leisten Informationsarbeit für Touristen und Einheimische, sondern sie setzen sich auch ein für die Instandhaltung historisch bedeutsamer Gebäude. Diese Veranstaltungen sind besonders geeignet für Menschen, denen die Geschichte der Stadt sowie der Erhalt der Tradition und der alten Bauwerke am Herzen liegt.


HISTORISCHE FELSENGÄNGE

Man ahnt es nicht, aber Nürnberg ist nicht nur oberirdisch hübsch anzusehen, sondern auch unter der Stadt gibt es viel zu entdecken. Das war meine erste Begegnung mit der Stadt, als wir in der Schule die Felsengänge besuchten. Ich lernte die Stadt kennen bei einem Schulausflug, von oben und unten, und ich wusste, eines Tages würde ich in dieser Stadt leben. Inzwischen gibt es unzählige Führungen in den >historischen Felsengängen<. Wer diese das erste Mal besichtigt, der scheut sich, oberirdisch auch nur noch einen Fuß auf den Boden zu setzen, aus Angst die Stadt könnte zusammenbrechen. Durchzogen wie ein Schweizer Käse ist Nürnberg, ein Wunder, wie all dies möglich war damals!

In den Felsengängen gibt es Themenführungen zu verschiedenen Epochen und Bedeutungen. Man erfährt über die Kassematten der Burg und ihre Nutzung im Mittelalter. Man besichtigt die Räume, die als Luftschutzräume im zweiten Weltkrieg benutzt wurden. Man erfährt über die Bierbrauerei und die Lagerung in den alten Kellern, zum Abschluss gibt es Rotbier in der Schänke. Es gibt Kinderführungen. Und sogar eine Dunkelführung, in der die Besucher nur mit Taschenlampen bewaffnet in die Gewölbe gehen dürfen, die Lampen sind ausgeschaltet, man kann die freigegebenen Gänge für sich selbst erkunden. Es gibt auch Sonderführungen in geschützten Räumen, die der Öffentlichkeit normalerweise nicht zur Verfügung stehen. So habe ich zum Beispiel bereits einen der Atombunker besichtigt, es war ein sehr beklemmendes Erlebnis. 


OSKAR

Die Autorin >Claudia Frieser< hat eine wundervolle Kinderbuchreihe geschrieben: Oskar. Ein Junge aus unserer Zeit entdeckt die Möglichkeit, in das mittelalterliche Nürnberg zur Zeit des jugendlichen Albrecht Dürer zu reisen. Dort ermittelt er mit seinen Freunden in spannenden Kriminalfällen. Ich liebe diese Bücher, sie sind ein wunderbarer Mix aus historischen Beschreibungen und einem clever gestrickten Kinderkrimi. Eine absolute Leseempfehlung nicht nur für Nürnberg-Freunde. 

Diese Bücher sind so erfolgreich, und die Beschreibungen so realistisch, dass es inzwischen auch >Oskar-Führungen<  gibt. Die Führung leitet die Besucher über die originalen Schauplätze auf den Spuren Oskars durch die Stadt und lässt auch für Kinder die alte Zeit wieder lebendig werden. 


GESCHICHTE FÜR ALLE

Der Verein >Geschichte für Alle< ist nicht nur in Nürnberg aktiv, auch andere Städte in der Region werden mit Führungen versorgt. Aber da es hier nur um Nürnberg geht, will ich natürlich nur darauf eingehen. Hervorragend finde ich das breite Spektrum an verschiedenen Themen. Ein kulinarischer Spaziergang, das Leben im Mittelalter, alte Kriminalgeschichte, Friedhofsbesuche, Informationen über Nürnberg in Zeiten des Nationalsozialismus, Kirchenführungen, Rundgänge um Architektur, Bildhauerei, Wasserwirtschaft. Führungen zu bestimmten Anlässen wie dem Christkindlesmarkt oder zu berühmten Persönlichkeiten wie Dürer, Veit-Stoß, Hans-Sach, Peter Henlein, Kaspar Hauser, den Nürnberger Henkern. Touren zum Nachdenken und Grübeln, aber auch zum Lachen und Schmunzeln, zum Gruseln, zum Ausprobieren, zum Philosophieren.  

Auch gibt es Führungen in einzelne Stadtteile, es werden sogar Radtouren angeboten. Dieser Verein bietet die meisten Führungen und dies auf den unterschiedlichsten Gebieten für alle Zielgruppen. Wie der Name sagt: "Geschichte für ALLE", Jung und Alt, Mittelalterfreunde und Interessenten des Dritten Reiches ebenso wie diejenigen, die sich über die Gegenwart informieren wollen. Touristen und Einheimische. Es gibt so viele unzählige Führungen, dass es gar nicht möglich ist, sie alle zu besuchen, und immer wieder kommen neue Themen dazu. Ich versuche mich regelmässig zu informieren, und gerne würde ich alle Führungen besuchen, aber ich muss wirklich sehr selektiv vorgehen und mir genau herauspicken, wo ich hingehe.


NACHTWÄCHTERIN

Dann ist da noch die >Nachtwächterin<. Über sie kann ich leider nicht mehr erzählen als das, was ihr selbst bei Interesse auf der Homepage lesen könnt. Denn ihre Führungen habe ich noch nicht besucht. Wie Ihr oben sehen könnt - Nürnberg ist prallvoll mit Touren. Ich könnte über Jahre jedes Wochenende eine Führung besuchen und hätte noch immer nicht alles erlebt, was es zu sehen gibt. Deswegen führte mich mein Weg bisher noch nicht zur Nachtwächterin. Sie klingt jedoch sehr interessant. Ihre Führungen sind stets gut besucht, und ich habe schon viel Gutes von ihr gehört.

Aaaaaaber - sie startet ihre Führungen am Schönen Brunnen auf dem Hauptmarkt. Und nur wenige Meter daneben vor der Touristeninformation startet jemand anders seine Führungen. Jemand, der mich dazu animierte, diesen Beitrag über Stadtführungen überhaupt zu verfassen:


MARCO KIRCHNER

Er geleitet seine Gäste auf die >GEISTERWEGE<. Eigentlich wollte ich ja nur über ihn schreiben, doch ich kam wieder einmal ins Plaudern, verzeiht ;-) Zusehr liebe ich die Stadt und ihre Geschichte, als dass ich mich nur auf eine kurze Vorstellung beschränken könnte. Also habe ich hier einen kurzen Überblick über die bekanntesten Anbieter der Stadtführungen gegeben. Und Marco Kirchner verdient >einen eigenen Beitrag<.

Salamander 09.04.2012, 14.50 | (0/0) Kommentare | PL