Salamander
RSS 2.0 RDF 1.0 Atom 0.3




Einträge ges.: 238
ø pro Tag: 0,1
Kommentare: 220
ø pro Eintrag: 0,9
Online seit dem: 14.07.2013
in Tagen: 2015

Ausgewählter Beitrag

Körperwelten - eine Herzenssache

Gestern waren Schatz und ich in der Ausstellung >Körperwelten - Eine Herzenssache<. Ich bin froh, dass die Ausstellung einmal in Nürnberg ist, und mir war klar, dass ich hingehen möchte. Über das Für und Wider möchte ich hier gar nicht groß diskutieren, das würde länger dauern. Ich jedenfalls finde es okay. Oder, besser gesagt, nicht nur okay, sondern eine tolle Sache und überaus interessant. 




Der Preis ließ mich allerdings ganz schön ächzen. 18 Euro! Viele behaupteten, man sei in einer halben Stunde maximal durchgelaufen, da wäre das natürlich sehr teuer. Andere erzählten, es gäbe lediglich fünf, sechs Exponate, der Rest sei langweilig, auch dafür sei das Geld verschwendet. Trotzdem, so oft habe ich die Chance nicht, die Ausstellung vor Ort zu sehen, selbst falls es rausgeworfenen Geld wäre, hätte ich mich geärgert nicht dort gewesen zu sein. Also musste ich hin, keine Frage ;-)

"Rezension" oder "Eventbericht" möchte ich nicht schreiben. Eher gesammelte Eindrücke. Unsortiert, einfach absatzweise, wie es mir gerade in den Sinn kommt. Denn es wurde schon so viel über diese Ausstellung geschrieben, dass ich keinen Sinn darin sehe, es vorzustellen, zu rezensieren und greifbar zu machen. Möchte nur für mich Erinnerungen festhalten und meine Eindrücke teilen. 

Fotografieren war untersagt. Nicht mal ohne Blitz. Ist okay, kann ich verstehen, es wird eine Menge Geld damit gemacht. Und irgendwie wäre das auch pietätlos. Denn, Ausstellung und Kunst hin oder her, sind es immer noch Tote. Da ist es okay, wenn man diese nur von Profis fotografieren lässt um sie ins entsprechende Licht zu rücken. Vollstes Verständnis!

Es war sehr voll, selbst an einem ganz normalen Wochentag gegen mittags. Teilweise so voll, dass sich vor den Vitrinen die Leute regelrecht stapelten und ich kaum etwas sehen konnte. Manchmal wartete ich, bis sich die Leute verzogen hatten und ich dann in Ruhe davor stehen konnte. Es gab keine Fenster, nur Lüftung, und die arbeitete auf Hochtouren, trotzdem war die Luft ziemlich stickig, und mein Kreislauf war wenig begeistert. Wie gehen die Aussteller nur am Wochenende oder zu Großveranstaltungen damit um, die gelegentlich während der Körperwelten dort stattfinden?

Wer behauptet, dass nur fünf, sechs Exponate zu sehen sind, der ist eindeutig ein Voyeur. Der besucht die Ausstellung nur wegen der Kunstobjekte, die dargestellt wurden. Denn es ist ein riesiges Gelände, das voll ist mit Exponaten. Komplette Körper in unterschiedlichen Posen, wie man sie von den Fotos kennt, gibt es nur ein paar. 

Dafür gibt es aber sehr viele "normale" Exponate, und auch diese sind extremst faszinierend. Einzelne Körperteile. Adern und Venen sichtbar gemacht, ausgestellt, ich stand sehr lange davor, begeistert und fasziniert über das Wunderwerk Körper. Lunge, Milz, Gedärm, Blase, Arm, Oberschenkel, Schädel, Hammer Amboss Steigbügel (ja, sie sind winzig, aber sie direkt vor mir zu sehen, wow), vieles vieles mehr. Zu allen ausführliche Erklärungen und zusätzliche Informationen. 

Föten in unterschiedlichen Stadien (bewegend und herzlich, sehr liebevoll und dennoch wissenschaftlich präsentiert, untermalt von angenehmer Musik speziell in diesem Raum. Ein Liebespaar beim Geschlechtsakt in gesondertem Raum, extra mit Hinweis, dass man ihn nur betreten solle falls gewünscht, da es als anrüchig gesehen werden könne (hachja, manche mögen das so empfinden, aber ich fand es wunderschön, eine Intimität und Nähe, die wortwörtlich unter die Haut ging). 

Abgesehen von der Ästhetik der Kunstobjekte wird auch mit diesen sehr gut das Wunderwerk Körper vermittelt. Verlauf der Nervenbahnen, Beweglichkeit des Skeletts, Methoden der modernen Medizin, Blutkreislauf und vieles mehr. Den menschlichen Körper finde ich generell interessant und habe mich schon viel damit befasst, trotzdem bekam ich hier sehr viel Neues zu hören und sehen, taten sich viele weitere Fragen für mich auf und stand ich staunend vor all dem, was ich sah und via Audioguide hörte. 

Der Audioguide kostete 3,50 Euro. Nicht gerade wenig. Aber es lohnte sich. Es wurde sehr viel erklärt, gab zusätzliche Informationen. Manches wiederholte sich, sodass ich wegklickte. Anderes dafür gab neue Einblicke. Die Texte waren sehr gut verständlich, und es wurde vieles erklärt, das mir neu war. Es gibt Tafeln und Schilder an den Exponaten, manchem mag das genügen. Aber ich fand den Text des Guides dazu sehr interessant. Während des Hörens ging ich um den Kasten herum, betrachtete das Stück von allen Seiten, sah es von oben, ging in die Hocke und blickte von seitlich bzw unten, es war unglaublich faszinierend!

Wer also sagt, dass es nur fünf, sechs Exponate gab, ist also an all den Schaukästen mit Körperteilen vorbei und wollte nur die kompletten Menschen sehen. Ja, dafür wäre es zu wenig Geld gewesen. Aber ich für meinen Teil wollte keine reißerische Show, sondern einen Museumsbesuch über den menschlichen Körper und themenbezogen hier das Herz und den Blutkreislauf. Und das bekam ich geboten, weit mehr als ihn ahnte. 

Eine halbe Stunde? Was haben die Leute in der Ausstellung (nicht) gemacht? Wie kann man so schnell durch sein? Wir waren etwa 2,5 Stunden dort. Am liebsten wären wir noch sehr viel länger geblieben. Aber irgendwann lässt auch die Konzentration nach, werden die Menschen zu viel, ist die Luft zu stickig. Gegen Ende bin ich bei vielen Exponaten nicht mehr so lange gestanden wie am Anfang, sondern habe nur noch die Schilder gelesen, ohne mich des Guides zu bedienen. Ich konnte einfach nicht mehr so viel aufnehmen, mein Hirn war übervoll von all den Informationen!

18 Euro (ohne Ermäßigung) für 2,5 Stunden - das ist ein absolut fairer Preis und vergleichbar mit einem Kinobesuch, einem Konzert, Theater oder einer anderen kulturellen Veranstaltung. Wir waren absolut zufrieden und sehr beeindruckt!

Salamander 09.01.2015, 12.15

Kommentare hinzufügen

Die Kommentare werden redaktionell verwaltet und erscheinen erst nach Freischalten durch den Bloginhaber.



Kommentare zu diesem Beitrag

1. von Tina

Oh ich bin ein bisschen neidisch :) - Körperwelten steht schon ganz lange auf meiner Wunschliste. Finde das auch alles unheimlich interessant und hoffe sehr, dass das Museum in Berlin bald eröffnet wird - Berlin ist ja nicht so arg weit weg von uns ;) .

vom 10.01.2015, 09.26
Antwort von Salamander:

ich drück Dir die Daumen! :-)

Für mein Dafürhalten wirklich ab-so-lut sehenswert, sauteurer Eintritt hin oder her. Wäre es regelmässig hier und gäbe es gelegentlich Änderungen und Vorträge (wie momentan, da gibt es eine Vortragsreihe) würde ich vermutlich sogar öfter hingehen ...