Salamander
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Frühlingsanfang - Motorradmuseum Möchs

Die letzten Tage waren ein Vespatraum. Zu schade, dass ich arbeiten musste. Bevor Tief Horst mir auch noch das Wochenende vermiest, wollte ich wenigstens den kalendarischen Frühlingsanfang am Freitag für eine kleine Tour nutzen.





Ich wollte Herbert gerne die Strecke zeigen, die ich letztes Jahr nach Obertrubach gefahren war. Das TomTom hatte mit "kurvenreicher Strecke" ein paar grandiose Nebenstraßen eingestellt. Winzige Seitenstraßen durch den Wald, teilweise kaum breiter als ein Auto, viele enge Kehren, bergauf, bergab und querfeldein durch winzige kleine Ortschaften. So schön, dass ich das unbedingt noch einmal fahren wollte. 

Überhaupt ist die Gegend um die Trubach wunderschön. Letztes Jahr habe ich mehrere Beiträge dazu veröffentlicht:

>Ziegen in Obertrubach<
>Teufelshöhle in Pottenstein<
>Gegend bei Pottenstein<
>Kurvenreiche Strecke<
>Fränkisches Wunderland Plech<
>Obertrubach und Pottenstein<

Also fuhr ausnahmsweise heute ich als Tourguide voraus, ich kannte die Strecke ja schon ein bisschen und hatte außerdem das Navi. Zugegeben, entspannt einer anderen Vespa hinterherzufahren ist für mich gemütlicher. Vielleicht fehlt mir einfach noch die Routine, aber dafür muss ich gelegentlich üben ;-)

Ja, die Landschaft roch und sah aus wie Frühling: kahle Felder, dürre Äste, aber hier und da sieht man bereits das erste Leben. Blühende Weidenkätzchen, jede Menge Pollen (Allergiker hurra), Schneeglöckchen, Krokusse / Kroküsse / Kroki / Kroken. Ich sah haufenweise Wegweiser zuOsterbrunnen, aber leider sah ich keinen Brunnen selbst, sonst hätte ich den gerne hier geteilt. 

Kleine Pause: die Nase in den Wind, das Gesicht in die Sonne, die Vespen am Straßenrand.



Ach ja, die liebe Landluft. Auf einer schmalen Feldstraße von 1,5 km Strecke fuhr ein Traktor mit 25 km/h und einer offenen Gülleladung vor uns her. Meine Dankbarkeit bedurfte keiner Worte, als er ein wenig auf die Wiese fuhr, um uns vorbei zu lassen ;-)

Etwa 3 Kilomter vor Obertrubach sah ich ein Schild "Motorradmuseum". Ach, wir wollten einen schönen Tag erleben, keinen Plan erfüllen. Also folgte ich einfach mal dem Schild statt dem Navi. Und siehe da: ein kleines Haus mit jeder Menge rostigen Fahrrädern, Motorrädern, Schildern und ziemlich viel Gerümpel Antiquitäten, sah richtig urig und einladend aus:







Eine schwere Glocke und ein Schild "bitte läuten". Das taten wir, und wenige Sekunden später stand Herr Brünner vor uns. Cord-Latz-Hose, schneeweißer langer Bart, Hut, und überall der Geruch von Schnupftabak. Ein absolutes Original, wie man nur selten auf jemanden trifft :-)

Er bat mich, ihn selbst hier nicht ins Netz zu stellen, dem komme ich (mit weinendem Auge) nach. Einen eigenen Webauftritt hat er nicht, das interessiert ihn nicht. Aber hier und da sind ein paar Infos zu seinem Museum zu finden, z.B. bei >Holdaycheck< oder im >Biker-Treff<. Ich kann mir vorstellen, dass das ein Geheimtip ist. Es wirkt absolut privat und in keinster Weise offiziell. Mundpropaganda und Touristen sind wohl seine Zielgruppe.



Die Führung kostete 5 Euro. Das klingt ganz schön happig. Aber für das, was wir sahen und dafür, dass ich es quasi als Spende für sein aufwändiges Hobby sehe, war es ab-so-lut gerechtfertigt. Er führte uns persönlich durch das Haus und ließ uns an seiner Leidenschaft für die Motorräder teilhaben.



Ich weiß gar nicht, wie ich das jetzt alles beschreiben soll! Erdgeschoss, dann auf den Dachboden, anschließend in den Keller. Beinahe wie bei einem Messie, jeder Millimeter der Wohnung genutzt und vollgestellt. Oldtimer, neuere Modelle, Maschinen top in Schuss und Maschinen so richtig verranzt. Motorräder mit Beiwagen, Elektroräder, Mofas, Roller, ein alter Kranken"wagen" von anno 1920, kleine Modellmotorräder. Motoren, Ersatzteile, Werkzeug, Reifen, Felgen, Gerümpel, alles was das Schrauberherz höher schlagen lässt. Das Zeug steht auf dem Boden, ist an der Wand befestigt, hängt von der Decke. Jeder Zentimeter des Hauses ist genutzt, und man kann sich kaum bewegen, ohne gegen eines der Ausstellungsstücke zu stoßen. Eine Inventarliste gibt es sicher nicht, aber er selbst scheint den absoluten Überblick zu haben.



Er sagte, beinahe alle seien funktionsfähig, nur bei ein paar sehr wenigen meinte er, die wären nicht mehr fahrbar. Und er habe sie auch alle testweise gefahren, habe persönlich daran gebastelt, an ihnen gearbeitet. 



Es ist ziemlich beeindruckend, was man alles sieht und was er erzählt. Offen gesagt, vor lauter Techtalk und Jahreszahlen habe ich nicht wirklich viel verstanden. Als Schrauber würde einem da wohl das Herz aufgehen, aber auch für mich als Laien, der einfach nur gerne Motorräder ansieht, war es äußerst beeindruckend!



Dieses Motorradmuseum fällt in die Kategorie "muss man selbst gesehen haben, um es wirklich zu glauben". Ich habe etwa dreimal so viele Bilder, aber manche sind dermaßen überladen oder wegen der schummrigen Beleuchtung in dem Haus zu schlecht belichtet, außerdem möchte ich Euch nur die Highlights zeigen. Aber glaubt mir: absolut sehenswert! 

Und direkt gegenüber des Museums ist eine Grünfläche, die als Parkplatz nutzbar ist. Ich fand die Felsformation und den platt drunter liegenden Reifen allerdings fotogener als einfach nur olles Gras zum Parken :-)



Aber ich sehe in Gedanken schon 20 Vespen bei ´nem kleinen Ausflug dort stehen! Vielleicht lässt sich da ja einmal etwas realisieren?

Dann aber nach Obertrubach an die Quelle und zu den Ziegen!







Das Café dort hatte leider geschlossen, also weiter in einen der nächsten Orte. Dort kehrten wir ein, unterhielten uns über unsere Eindrücke und Erlebnisse, fuhren dann nach Hause. Diesmal nicht so verwinkelt sondern direkt über die Landstraße. 

Morgens eine Sonnenfinsternis, dann ein Krisengespräch auf Arbeit erfolgreich hinter mich gebracht, eine tolle Vespastrecke, ein Motorradmuseum, Ziegen füttern, zu Hause sehnsüchtig von Schatz erwartet und dann mit ihm ins Lieblingsrestaurant. Ja, doch, das war ein erfolgreicher Tag :-)

21.03.2015, 11.41

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Kommentare zu diesem Beitrag

1. von SonjaM

Schöner kleiner Ausflug. Ich liebe diese spontanen Überraschungen am Wegesrand ebenso. Einfach mal `nem interessant klingenden Schild folgen... solche Mopped-Museen gibt es hier auch, kleine ungewöhnliche Sammlungen von Schrott bis Antiquitäten, meist Eigentum einer skurrilen lokalen Type. Ich muss auch mal wieder `raus und Spaßfahrten machen. Im Moment ist es eigentlich nur zur Arbeit und zurück...

vom 22.03.2015, 18.28
Antwort von :

Ja, die spontanen Erlebnisse sind die schönsten. Weil man so gar keine Erwartungen hegt und einfach drauflos genießen kann, was da gerade ist. 

Langsam eignet sich das Wetter wieder für Touren, für die Arbeit ist eine olle Notwendigkeit, aber auf Dauer als einzige Option glatt Verschwendung ;-)