Salamander
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Easy Hotel London Old Street

Unser Hotel, das war ein ganz eigenes Thema. Ich habe ja schon immer gesagt, dass ich keinen Komfort brauche, wenn ich reise. Schließlich will ich die Stadt sehen und nicht im Hotel bleiben. Das Hotel dient also nur zum Schlafen und zum Ablegen der Klamotten. Und zum Aufladen von Tablet (braucht man, um es als Landkarte und Navi zu verwenden) und Kamera (ganz wichtig). Und um wenigstens mal zu duschen und die Haare zu machen. Und zum Schlafen. Mehr will ich gar nicht. Das schien das Easy Hotel in der Old Street zu versprechen.




Von daher waren wir ziemlich begeistert vom Konzept des Easy Hotels: Kein sinnloser Schnickschnack wie Fernseher, Minibar, Sauna im Keller, unnötiger Zimmerservice (wem nutzt das hübsche Bett, wenn ich tagsüber nicht da bin und es abends eh wieder verknülle?). Verglichen mit anderen Hotels war es zwar nicht um Welten billiger, aber doch ein wenig günstiger. Kam uns sehr gelegen. Schrank, Stühle, Garderobenhaken, Nachttisch, unnötig! Schreiben kann ich auf dem Knie, die Klamotten packe ich für zwei Tage eh nicht aus. Auf so einen Kram kann ich alles locker verzichten! 

Das Zimmer war extrem karg. Damit kam ich klar. Es war ein Doppelbett mit Kopf und linker Seite an der Wand. Am Fußende und an der rechten Seite war etwa jeweils ein halber Meter Platz. Handgepäck abstellen, da wurde es dann schon eng, daran vorbeizulaufen. Macht nichts, wir sind genügsam. Auch, dass Dusche und Toilette in einem waren und es so winzig war, dass man sich kaum bewegen konnte, macht nix. Sauber wird man auch mit wenig Platz! Und ein Fenster gab es auch nicht, schließlich ist das Kabinentechnik, Luftzufuhr und Klima funktioniert über ein eigenes System, es war tatsächlich auch eine sehr angenehme Temperatur und immer frische Luft. Und auch, dass die Zimmer sehr hellhörig waren und man jedes Niesen usw hörte, war zwar etwas lästig, ist aber in Wohnheimen oder günstigen Übernachtungsgelegenheiten Usus, macht nix. 

An der Tür zur Nasszelle hing ein fettes Schild: "Bitte beim Duschen Kabinentür schließen. Dampf aus der Dusche könnte die Rauchmelder aktivieren". Ist okay, so eng, wie es dort war, hätte ich eh die Tür geschlossen, sonst wäre das Bett nass geworden ;-)

Einfach nur Bett, winziges Waschbecken, winzige Dusche, Toilette und um das Bett herum ein schmaler Weg zum Stehen, das reicht. 

Tja - ich denke, ich werde meine Aussage ein wenig abändern. Denn ich stelle fest, dass es sehr wohl gewisse Standards gibt, die ich gerne hätte.

Zum Beispiel Strom. Die ganze Kabine hatte nur eine Steckdose. Und nein, die war nicht im Badezimmer. Das heißt, als ich mich fönen wollte, stand ich ziemlich weit vom Spiegel entfernt, balancierte / stand bei offener Badezimmertür neben dem Bett (wie gesagt sehr eng) und guckte in den 2 m entfernten Spiegel. 

Die Zimmer funktionieren mit Karte. Man steckt sie in die Tür, die Tür öffnet. Und dann - kein Licht, kein Strom, NADA! Wir fanden auf der Innenseite neben der Tür einen weiteren Slot, dort musste man die Karte reinstecken. Nur mit eingesteckter Karte gab es Strom (und somit Licht und Saft für die Steckdose zum Laden der Geräte). 

Das heißt, wir konnten nicht mal schnell die Digicam aufladen, während wir im Pub nebenan einkehrten, denn wir mussten ja unsere Chipkarte mitnehmen! Die einzige Möglichkeit, die Geräte zu laden, war also nachts. 

Wenn da nicht ... ja wenn da nicht das Sirren gewesen wäre. Wenn man das Licht ausmacht und die Karte stecken lässt, dann gibt es einen irre fiesen hohen Summton. Derart fies, dass sogar Schatz, der elektrisches Summen im Gegensatz zu mir locker wegsteckt fast durchdrehte. Es war nicht möglich, mit diesem Summen im Kopf einzuschlafen, es war zu laut und intensiv und konnte nicht ignoriert werden, eine Frequenz die auch unempfindliche Leute deutlich hören.

Also Karte raus und keine Geräte laden. Dafür dann absolute Dunkelheit! Logisch, ohne Fenster. Kommt blöd, wenn dann die Karte nicht steckt, somit kein Licht gemacht werden kann und man dann nachts im Halbschlaf nach der Karte fummelt und die irgendwo runterfällt und man wirklich NULL sieht. Ist uns zum Glück nicht passiert, aber vor diesem Szenario hatte ich etwas Bammel. 

Dass Internet kostet, ist okay. Haben diese Billigkonzepte alle gemeinsam: was extra ist, muss extra gezahlt werden. Deswegen haben wir diesen Service gerne zusätzlich gebucht. Wir wollten zwischendurch nach Restaurants und Locations in der Nähe suchen, uns via Wiki über verschiedene Sachen informieren, die wir erlebt hatten. Wir waren ziemlich erstaunt, dass der Zugang nur pro Gerät ist. Es war also nicht möglich, dass sowohl er als auch ich uns einloggten. Aber gut, unwichtig, damit konnten wir leben, war irgendwie sogar zu erwarten. 

Und dann war da noch die Lüftung. Lüftung ist okay und wichtig. Allerdings ist die Lüftung so laut, dass es sich anhört, als würden wir bei Sturm mit offenem Fenster schlafen. Als sie nachts das erste Mal anging und ich wach wurde, war mein erster Reflex "ui, schon wieder Sturm, schnell raus, die Vespa umparken". Sie schaltete sich nachts mehrfach ein ... 

Das Witzigste passierte dann am Donnerstag: wir lagen im absoluten Dunkel, sahen nichts, hatten keine Uhr, waren völlig bedröppelt. Auf einmal ein unglaublich lautes Warnsignal, ein Heulen, eine rote Lampe. Und dann die unmissverständliche Durchsage "Attention please! This - is - a - firealarm". Na danke! 

Daniel fummelte nach der Karte, steckte sie ein, machte Licht. Ich fluchte vor mich hin. Hatte vermutlich irgendsoein Dödel bei offener Kabinentür geduscht? Sah auf die Uhr, kurz nach sieben morgens, jau, könnte hinkommen. 

Ernst nehmen und nackt auf den Flur rennen? Oder Ruhe bewahren, anziehen, wichtigste Sachen packen und dann erst raus, da eh Fehlalarm? 

Ohne uns abzusprechen entschieden Schatz und ich uns für den Mittelweg: wir sprangen aus dem Bett, zogen uns schnell (aber nicht hektisch) wenigstens das Notwendigste an, griffen unsere wichtigsten Sachen (Flugtickets, Haustürschlüssel, Geld, Ausweis, Wertsachen), das ganze dauerte vielleicht 30 Sekunden. Dann gingen wir in die Vorhalle des Hotels. 

Versammlungsort wäre eigentlich gegenüber im St. Luke´s Garden gewesen, wie ich später herausfand. Aber, mal ehrlich, wer liest sich schon den Brandschutzplan durch?

In der Vorhalle standen einige Leute mit Koffern und dick angezogen. Schätze, die waren eh grade am Auschecken, denn binnen einer Minute kann man nicht mit Sack und Pack fertig angezogen und frisiert fertig sein. Die meisten waren wie Daniel und ich ziemlich verpennt, verknittert, unfrisiert. Schön finde ich, dass keiner gemotzt hat, keiner rumgenölt hat oder unhöflich wurde. Im Gegenteil, wir haben uns alle breit angegrinst und erstmal entspannt abgewartet, wie es weitergeht. 

Dann tapste ein junger Mann rein, mit Handtuch um die Hüfte, nackten Füßen und nassen Haaren. Er murmelte irgendwas von "Brille" und dass er nichts sieht. Der Arme, den hatte es wirklich eiskalt erwischt mit dem Alarm! 

Irgendwann kam dann ein Mitarbeiter des Hotels und gab Entwarnung. Es war tatsächlich eine Duschkabine gewesen *seufz*. Immerhin, der junge Mann ohne Brille war nicht schuld, der kam aus einer anderen Ecke des Hotels als der Mitarbeiter, der davor gerade am "Tatort" war. 

Als wir nach etwa fünf Minuten zurück in unser Zimmer gingen, öffnete neben uns eine verpennte Frau die Tür, steckte ihren Kopf durch, murmelte was Unverständliches in irgendeiner mir unbekannten Sprache. Wir gaben ihr mit Handzeichen zu verstehen, dass alles okay war, und sie machte die Tür wieder zu. Na, hatte die ein Glück, dass es nicht ernsthaft gebrannt hatte ;-)

Naja, Erfahrungen sind dazu da, damit man sie macht. Fürs nächste Mal wissen wir, dass wir zwar keinen Komfort brauchen, dafür aber wenigstens Strom, der auch funktioniert, wenn wir mal das Zimmer verlassen! Und eine Steckdose im Bad. Und ein Lichtschalter, der IMMER funktioniert, auch nachts ohne Chipkarte. 

Ach ja, die Homepage: >www.easyhotel.com<. Dort dann das Hotel in der London Old Street. Unnötig zu erwähnen, dass die Zimmer auf den Fotos geräumiger sind und ein paar Accessoires mehr enthalten.

Die Lage des Hotels selbst war klasse. Es war keine noble Touristengegend, aber auch nicht absolut verranzt. Ein Mittelding. So gelegen, dass man sehr gut Anschluss an zwei U-Bahn-Stationen hatte. Wir hätten unseren gesamten Urlaub nur in der Old Street verbringen können, so viele Shops und vor allem Pubs und Restaurants gab es dort. Auch eine Post, ein paar Supermärkte, eine kleine Kirche mit hübschem Park davor. 

Allerdings hat dieses Viertel ein ganz schönes Müllproblem, an allen vier Tagen waren die Straßen voll davon. Und als wir am ersten Tag nachts unterwegs waren, war uns ein wenig mulmig. Die Türsteher vor den Clubs sahen teilweise eher wie Zuhälter aus, und die Leute, die dort herumliefen, gehörten zur Kategorie "Mach ich besser nen Bogen drum". Fotografiert habe ich in dieser Straße nicht allzu viel, gerade abends hätte es tolle Motive gegeben. Wir wollten ungern als Touristen auffallen, dazu war uns die Gegend in manchen Seitenstraßen zu bestimmten Uhrzeiten zu unsicher. 






Salamander 14.05.2015, 10.39

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Kommentare zu diesem Beitrag

3. von G'schichtnErzählerin

Ja, ein gewisses Minimum an Komfort muss einfach sein. Das Problem mit den blöden Chipkarten konnten wir in Frankreich durch eine einfach Visitenkarte erledigen. Die passte in den Schlitz und das Zimmer hatte Strom, auch wenn wir NICHT da waren. Vielleicht testet ihr das beim nächsten Mal einfach. Irgendwo eine Visitenkarte mitgehen lassen und dann passend knicken. Und schon hat man Strom :D

vom 02.06.2015, 17.51
Antwort von Salamander:

ja krass! Ich hätte gedacht, dass das irgendwie ein Kontakt der Karte ist, wo irgendwelche Daten eingelesen werden, aber wenn es nur darum geht, dass irgendein Nippelchen runtergedrückt wird, damit das "besetz" ist ... dann hätten wir locker laden können! Danke für den Tip :-)

(aber ich glaube, näxtes Mal wieder ein "normales" Hotel *g*)
2. von SonjaM

Kurzfassen? Fang bitte erst gar nicht damit an. Deine Berichte sind ein Genuss und es macht besonders Spaß, London mal mit frischen Augen vorgeführt zu bekommen. Danke schön dafür !!!

vom 17.05.2015, 08.20
Antwort von Salamander:

Du schmeichelst mir, danke ;-)
1. von Funny

... *lach* ... Irgendwas ist ja immer :-)))

Zuerst dachte ich: "Hmmpffff ... So ein langer Bericht", aber ich muss sagen, sehr amüsant und kurzweilig geschrieben. Hat sich mehr als gelohnt ... *like* ...

vom 15.05.2015, 06.36
Antwort von Salamander:

Lange Berichte sind bei mir Standart. Gehöre leider nicht zu den Menschen, die sich kurzfassen können ;-)